Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Blaues Band – eine Chance für unsere Flüsse

Fachtagung im Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf

Ausgabejahr 2019
Datum 21.11.2019

Komplett ausgebucht waren eine Fachtagung am Freitag, 15. November 2019 und die Exkursion am Folgetag zum Bundesprogramm „Blaues Band“. Die Veranstaltung mit 100 Teilnehmern wurde initiiert durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein (WSA ORh) in Kooperation mit der Naturschutzakademie Hessen (NAH) und dem Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf (UBZ).

Anlass war das sich derzeit in Ausführung befindliche Modellprojekt des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ im Gebietsteil Knoblochsaue auf Riedstädter Gemarkung. Dort wird zur Zeit das rechte Rheinufer zwischen Rheinkilometer 474,7 und 476,5 renaturiert. Die Steinschüttungen des im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue gelegenen Teilstücks werden rückgebaut und die Ufer weitgehend der natürlichen Dynamik des Rheins überlassen. Es ist zu erwarten, dass es zu einer Abflachung der Ufer durch Erosion kommt. In der Folge wird sich dann dort eine auentypische Abfolge von Weidenauen und eichengeprägten Auwäldern einstellen. Als Referenzfläche dient das natürlich belassene Rheinufer am alten NATO-Platz, flussabwärts von Rheinkilometer 474,0 gelegen.

Die Erfahrungen aus dem Gebiet stimmen optimistisch, wie Dr. Anlauf von der Bundesanstalt für Gewässerkunde berichtete. Nach der Renaturierung eines kleinen Teilstücks im Bereich der ehemaligen NATO-Rampe im Jahr 2012 konnten im Rahmen der Bestandserfassung für das Modellprojekt einige Heuschrecken und Wildbienenarten nachgewiesen werden, die in Hessen als ausgestorben bzw. verschollen galten. Auch Eisvögel haben die entstehenden Uferabrücke sehr schnell angenommen und Bruthöhlen angelegt.

Das nördlich gelegene Ufer im Projektgebiet wird durch den dort nahe vorbeifahrenden Schiffsverkehr stark beansprucht. Dieses Uferteilstück wurde daher möglichst naturnah gesichert. Über die Anwendung und Bemessung naturnaher technisch-biologischer Ufersicherung berichtete Petra Fleischer von der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW). Im Projektgebiet kommen Weidenspreitlagen und die Begrünung der Steinschüttung mit Weiden zur Anwendung.

Träger des Vorhabens am Kühkopf ist das WSA Oberrhein in Kooperation mit dem Land Hessen, vertreten durch das Regierungspräsidium Darmstadt. Der Leiter des WSA Oberrhein Jörg Vogel beschrieb das Modellprojekt als Glücksfall für das „Blaue Band“, da es in relativ kurzer Zeit gelungen ist, alle Akteure hinter einem gemeinsamen Ziel zu versammeln. Er bedankte sich ausdrücklich auch beim Bundesforst, HessenForst, dem Landkreis Groß-Gerau und der Hessischen Landgesellschaft für die kooperative Zusammenarbeit.

Anke Uhl vom Regierungspräsidium Darmstadt zeigte in diesem Zusammenhang die Synergieeffekte von „Blauem Band“ und verschiedenen naturschutzfachlichen und wasserbaulichen EU-Richtlinien auf.

Das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ (BBD) verfolgt das Ziel, im Bundeswasserstraßennetz, zu dem auch der Rhein gehört, ökologische Verbesserungen durchzuführen. Zwei Drittel der potenziellen Überflutungsflächen der großen Flüsse in Deutschland liegen heute landseits von Deichen, nur noch 7% der verbliebenen Flussuferlandschaften in Deutschland werden als naturnah eingestuft. Dabei haben gerade Fließgewässer ein enormes ökologisches Potential. Dieses Potential möchte das Bundesprogramm nutzen und Verbesserungen durchführen, berichtet Dr. Moritz Busse von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS). Die Umsetzung der Maßnahmen im und unmittelbar am Gewässer soll – wie am Kühkopf - durch die Wasserstraßen und Schifffahrtsämter erfolgen. Dafür sollen jährlich 50 Mio. EURO zur Verfügung stehen. Bevor diese wie vorgesehen tätig werden können, bedarf es noch einer Gesetzesänderung des Bundes und der personellen Ausstattung der Ämter.

Für sogenannte „Dritte“, wie Kommunen, Verbände und andere Institutionen, werden vom Bundesumweltministerium im Rahmen des "Förderprogramms Auen" jährlich bis zu 16 Mio. EURO für Maßnahmen in der Aue, wie die Entwicklung von Aueflächen, bereitgestellt, berichtete Dr. Stephanie Ritz von Bundesamt für Naturschutz.

Ein weiteres Flussgebiets bezogenes Projekt in Hessen, das allerdings unabhängig vom Blauen Band begonnen wurde, findet sich an der Lahn. Über dieses sehr komplexe „LiLa Living Lahn – Vorhaben“ berichtete Markus Porth vom Hessischen Umweltministerium und beeindruckte die Zuhörer durch die ungeheure Vielschichtigkeit und die Fülle der Abstimmungsprozesse vor Ort.

Ca. 60 Teilnehmer nahmen am Folgetag an der Exkursion in das Projektgebiet im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue teil. Dort wurde von Projektleiterin Simone Janas (WSA ORh) die Umsetzung der Maßnahme erläutert. Ein Teil der Uferschüttungen sind schon beseitigt, ein Weg wurde verlegt und auch die partielle Sicherung des Ufers mit einer Weidenspreitlage konnte gezeigt werden.

Die Besucher der Veranstaltung zeigten sich beeindruckt vom Gestaltungswillen der verantwortlichen Akteure und dem zügigen Fortschritt der Maßnahme. Begleitend sollen auch 2020 weitere öffentliche Veranstaltungen vor Ort stattfinden.

Ziel des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ (BBD), einer gemeinsamen Initiative von Bundesverkehrsministerium (BMVI) und Bundesumweltministerium (BMU), ist die Schaffung eines Biotopverbundes entlang der Flüsse und Auen im Bundeswasserstraßennetz. Das Bundeskabinett beschloss das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ am 1. Februar 2017. Es gilt als Handlungsrahmen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte. In Einklang mit der verkehrlichen Nutzung sollen an Nebenwasserstraßen wie an der Lahn umfassende Entwicklungskonzepte erarbeitet werden. Im verkehrlich bedeutenden Kernnetz der Bundeswasserstraßen, wie dem Rhein, werden ökologische Verbesserungen in Form sogenannter Trittsteine umgesetzt.

Für die Umsetzung von Projekten des BBD am Rhein zwischen Basel und Mainz ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein zuständig, das als Teil der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) zum Geschäftsbereich des BMVI gehört.